Bu No Michi

Bu No Michi

Bu no Michi ist eine Autobiografie von Robert Teller Shihan (9. Dan), die sich auf den Karateweg des Autors beschränkt. Es ist eine Sammlung von Geschichten über seine Zeit auf Okinawa, sein Training, die Beziehungen zu seinen zahlreichen Lehrern und weitere Anekdoten. Mich erinnerte es ein bisschen an Moving Zen von C.W. Nicol, doch anstatt des JKA-Karate und Japan, geht es hier um das okinawanische Karate und die okinawanischen Menschen.

Übersetzt bedeutet der Titel „der Weg des Kriegers“. Dass der Autor das Wort michi anstatt des bekannteren (wie im geläufigeren Budô) wählte, könnte ein Versuch sein, das im Buch vorgestellten Karate vom Karate-Mainstream zu unterscheiden. Schließlich ist es, wenn man ähnliche Bücher liest und Dokumentationen schaut, klar, dass die okinawanische Kultur sich, zumindest noch vor 50 Jahren, recht stark von der des Hauptteils Japans unterschied. Zumindest versucht man das so zu vermitteln. Andererseits gibt es, laut dieser Quelle, keinen Unterschied zwischen den Begriffen michi und und es handelt sich um verschiedene Lesungen ein und des selben Wortes. Man sollte also den Buchautoren fragen, warum er, ähnlich wie Masutatsu Oyama, den Begriff michi dem üblicheren bevorzugte.

Das Buch bietet viele Einblicke in das Denken auf Okinawa in der späteren Nachkriegszeit (60-er bis 80-er Jahre). Robert Keller präsentiert seine persönlichen Fehler, Zweifel und Ängste auf eine einfühlsame und auch humorvolle Art und Weise und ich bekam beim Lesen das Gefühl als würde er im gleichen Raum sitzen und mir diese Geschichten selbst erzählen. Außerdem bekam ich wirklich Lust darauf in seine Rolle zu schlüpfen und auf Okinawa zu trainieren.

Allerdings ist das beschriebene Training, aus meiner Sicht, zu hart und ist typisch für eine Zeit, in der man noch nicht viel über den Körper, Schädeltraumata und effektivere Trainingsmethoden wusste. Das sehr harte Training diente scheinbar mehr zur Festigung des Willens und weniger, um das „eigentliche“ Trainingsziel zu erreichen, was auch immer es war…
Auch können sehr viele Ego-Spielchen seitens einiger Lehrer erkannt werden, was wir aber bereits aus Mark Bishops Okinawan Karate kennen dürften. Dies trifft allerdings nicht auf alle zu. Und was soll man schon sagen? Niemand ist perfekt. Die Mängel des Lehrers zu akzeptieren und ihn trotzdem zu achten ist wahrer Respekt. Nur wenn die Macken des Lehrers einem im Weg zur Besserung stehen, sollte man los lassen. Aber ich weiche ab…

Geschrieben ist das Buch ziemlich simpel. Man merkt, dass der Autor kein Profi in dem Bereich ist. Er bedient sich einer einfachen (dafür aber auch gut lesbaren und verständlichen) Sprache, was eher für ihn und das Buch spricht, denn es ist nicht trocken wie die „seriöse“ wissenschaftliche Literatur. Es gibt aber auch mehrere Tipp- und Druckfehler, sogar einen auf zwei Seiten wiederholten Absatz (wahrscheinlich ein copy & paste Fehler). Doch wer sich von solchen kosmetischen Fehlern nicht stören lässt, wird das Buch genießen.

Mir hatte Bu no Michi einen guten Einblick in das okinawanische Karate und deren Kultur geboten und nochmal gezeigt, dass es nirgendwo den perfekten Lehrer gibt, aber auch überall diese besonderen, weisen Menschen leben könnten, von den man so gerne lernen würde…

 



* Die Verwendung des Covers wurde mir freundlicherweise vom Urheber genehmigt.