Ferse vs. Ballen: Wie soll man auftreten?

Welcher Stand ist korrekt? Wie sollte man auftreten? Was ist gesund? Was ist schädlich? Was ist effektiv? Was ist effizient? Fragen über Fragen…

Im folgenden Artikel möchte ich einige dieser Fragen beantworten, wobei ich mich speziell der „Debatte“ um den Fersen- und den Ballengang widme und den Bezug zwischen Alltag und Kampfkunst herzustellen versuche. Dieser Artikel dürfte also für alle Leute interessant sein, die sich mit Bewegung beschäftigen und sich nicht unbedingt mit den Kampfkünsten auskennen. Die Parallelen und Verhaltensmuster ziehen sich durch alle Lebensbereiche.

Wem soll man glauben?

In dem letzten halben Jahr beschäftigte ich mich sehr ausführlich mit dem Thema, ob man im Karate eher mit dem Fußballen, oder mit der Ferse auftreten sollte. Tatsächlich interessierte mich das Thema schon vor Jahren in Bezug auf das normale Gehen. Irgendwo las ich mal, dass es gesund sei mit dem Fußballen aufzutreten und das mit der Ferse eher eine anerzogene und schlechte Gewohnheit sei. Dazu kannte ich es auch vom Karate, dass man üblicherweise nach vorne gleitend auf dem Ballen absetzt. Also probierte ich das eine Zeit lang im Alltag aus und… es ging einigermaßen. Ich konnte es mir sogar nach wenigen Tagen zur Gewohnheit machen, aber irgendwie fühlte es sich trotzdem nicht ganz richtig an.

Dann las ich wieder, dass die Ferse sich durch die Evolution extra so entwickelt hatte, damit man locker auftritt und dann wie auf einem Rad abrollt. Die einen sagen das Eine, die anderen etwas anderes… frei nach dem Prinzip

Jeder hat eine Meinung, aber nur wenige haben wirklich Ahnung

Irgendwie erinnerte mich das Ganze an die Drehpunkt-Diskussion: Wie soll man sich um die Längsachse drehen? Auf der Ferse? Auf dem Fußballen? Vor einigen Jahren übersetzte ich für Kousaku Yokota seinen Artikel zu diesem Thema und schon er sagte damals, dass man je nach Situation entscheiden sollte.

Als ich das damals las, kam ich mir ziemlich blöd vor. Das ist so selbstverständlich, dass ich mich fragte, warum ich früher dachte es müsste nur auf die ein oder andere Weise gehen. Diese Art zu Denken ist ein Überbleibsel des „Maßband & Geodreieck Karate“, in dem ganz oberflächlich zu viel Wert auf den „korrekten“ Winkel und die exakte (scheinbare) Technik gelegt wird.

Nur so und nicht anders!“ lautet die Devise aller Extremisten. Genauso wie in diesem völlig schwachsinnigem Artikel, in dem die Argumente an den Haaren herbei gezogen sind.

Dieser Extremismus – das sich Festfahren auf nur eine Herangehensweise – hat aber nichts mit Budô zu tun. Budô sollte natürlich und flexibel sein.

Also, woher kommt dieser Gedanke, dass man generell auf dem Fußballen auftreten sollte? Warum ist es angeblich nicht OK auf der Ferse aufzutreten? Warum machen das manche Menschen nicht nur in Karate, sondern auch im Alltag? Die Antworten darauf gibt es… jetzt!

„Yeah, science!“

Die Lösung ist eigentlich sehr einfach: Jep, der Fuß ist nicht umsonst so geformt!

Nichts ist in der Natur umsonst.

Man tritt beim normalen Gehen auf der Ferse auf, rollt sich ab, setzt dann mit dem ganzen Fuß auf und löst diesen wieder über die Zehen vom Boden. Dadurch verlagert man den Druck über einen längeren Teil des Fußes, als beim Ballengang. Alles in einem ist das eine ziemlich runde Bewegung, denn Gehen sollte eine ununterbrochene zyklische Bewegung sein. Anders ist es beim Ballengang, denn beim Auftreten auf dem Ballen bremst man mit jedem Schritt, was völlig unnatürlich für ein entspanntes Vorwärtsgehen ist.

Darüber hinaus gibt es Untersuchungen, die zu belegen scheinen, dass ein Auftreten mit der Ferse unsere Beine virtuell länger macht und der Ballengang die Person langsamer macht und ca. 10% mehr Energie verbrauchen lässt.

Außerdem gibt es Belege dafür, dass unsere Vorfahren bereits vor 3,6 Millionen Jahren den Fersengang praktizierten, lange bevor es Schuhe oder sonstige kulturelle Einflüsse gab, die man heutzutage oft für die angeblich „neue“ Entwicklung des Fersenganges verantwortlich macht.

Wann sollte man nicht mit der Ferse auftreten?

Zum Beispiel bei seitlichen Schritten, beim Herab- oder beim schnellen Heraufsteigen von Treppen, bei Rückwärtsschritten oder beim Laufen. Außerdem allgemein bei Sprüngen und auch speziell im Kampf, wie z.B. in der üblichen und ineffektiven Form des Kumite-Wettkampfes oder auch (in einer viel effektiver eingesetzten Weise) aus DK Yoos Videos kennt.  Also so ziemlich immer, außer bei normalen Vorwärtsschritten.

Exkursion: Wie läuft man richtig?

Im Gegensatz zum Gehen, verlassen beim Laufen an einem Punkt der Bewegung beide Füße gleichzeitig den Boden, wie beim Springen. Entsprechend wird die Bewegung nach der Landung fortgesetzt. Bei der Landung sollte die Wucht des Körpers abgefedert werden und deshalb wäre der Fußballen die beste Landefläche. Geschieht die Landung auf der Ferse (was bei sehr vielen Menschen zu beobachten ist), dann ist das so, als würde man mit der Ferse gegen eine Wand treten: Die ganze Wucht geht in die Knie, die Hüftgelenke und den Rücken und sogar in den Kopf, was auf Dauer den Gelenken, Bändern, Sehnen und dem Gehirn schadet.

Beispiele davon wie man nicht laufen sollte

Diese Angewohnheit, beim Laufen auf der Ferse zu landen, soll sich aufgrund der Form der Sportschuhe, mit einer stark gepolsterten Ferse, durchgesetzt haben. Außerdem wird diese Form auch in den Medien propagiert. Neulich konnte ich z.B. in dem Anime Boruto: Der Film genau das sehen.

Durch mein Sportstudium durfte ich lernen richtig zu laufen/sprinten: Oberkörper aufrecht, Becken zieht nach vorne, die Füße landen mit dem Ballen auf und ziehen den Körper nach, so als würde man sich in den Boden hinein krallen. Das fühlt sich zunächst ungewohnt an, ist aber aufgrund der Stoßabsorption schonender für die Gelenke und man läuft schneller, während gefühlt weniger Energie verbraucht wird.

Der größte Nachteil des Ballenganges

Nachdem wir nun geklärt haben, wann es sinnvoll ist mit dem Ballen aufzutreten, sollten wir uns einmal anschauen, warum es nicht sinnvoll ist bei normalen Vorwärtsschritten (oder z.B. beim ununterbrochenen Vorgehen in Zenkutsu-Dachi) so aufzutreten.

Vergesse den oben genannten Artikel! Wir sind keine Feen und meistens auch keine Ballett-Tänzer. Wir müssen nicht wie Peter Pan durch das Leben schweben, nur um nicht auszusehen wie marschierende Soldaten (abgesehen davon war das Marschieren beim Bund für mich eine der wenigen angenehmen Dinge, weil es so einen schönen Rhythmus hatte). Der Ballengang hat nichts mit diesen Phantasien zu tun. Er hat seine Berechtigung, wie in den oben aufgeführten zahlreichen Beispielen, bremst aber, wie schon gesagt, beim Vorwärtsschritt die Bewegung ab, was bei jedem Schritt die Bewegung für einen kurzen Moment stoppt. Das möchtest du aber beim dauerhaften Vorwärtsgehen nicht, denn dieses sollten fließend zyklisch erfolgen. Eine zyklische Bewegung ist nur dann möglich, wenn sie ununterbrochen ist, wenn man also wie ein Rad, den Impuls aus der vorhergehenden Bewegung für die Nächste ausnutzend, weiter rollt.

Der korrekte Fersengang

Wie schon gesagt, ist das Auftreten auf der Ferse beim Vorwärtsgehen natürlicher, doch auch da gibt es Variationen und es sollte gelernt werden. Man könnte die Ferse in den Boden rammen und mit massiven Schritten, kraftvoll und gewalttätig gehen, so wie ich es als Teenager gemacht habe, der seine Emotionen nicht im Griff hatte und mehr posierte als tatsächlich konnte. Oder man geht locker und entspannt, fast schon schlendernd… und landet dabei trotzdem natürlicherweise auf der Ferse, bzw. zwischen Ferse und Fußmitte.

Wenn aus den Schritten sämtliche Kraft heraus genommen wird, man die Sprunggelenke also locker und den Fuß mehr oder weniger baumeln lässt, dann wird dieser beim Anheben und nach vorne bewegen des Beines ganz natürlich von selbst nach vorne baumeln, sodass eine Landung auf der Ferse vorprogrammiert ist. Das ist natürlich. Wenn man aber versucht zu viel mit dem Kopf zu denken und das Rad neu zu erfinden, dann macht man den selben Fehler, wie der Tausendfüßler in der Fabel. Diese Natürlichkeit und Entspannung ist etwas, was Akira Hino und seinem Buch Don’t Think, Listen to the Body! betont, indem er den berühmten Schwertmeister Ito Ittosai (1560-1653) in seiner Wendung an einen besiegten Gegner (Kanemaki Jizai) zitiert:

„Man kratzt sich niemals am Kopf, wenn der Fuß juckt, nicht mal im Schlaf. Das ist einfach eine natürliche Funktion des menschlichen Seins. Das wahre Potential des Schwertkampfes liegt darin die natürlichen Mechanismen des Körpers so wirken zu lassen wie sie sollten. Wenn Sie versuchen mich zu treffen, dann liegt Ihr Geist im Irrtum. Andererseits liegt meiner in der Wahrheit, weil ich die natürlichen Mechanismen meines Körpers arbeiten lasse, um Gefahr zu vermeiden. Es ist offensichtlich, dass Wahrheit über Irrtum siegt.“ (vgl. Hino: 217; übers. v. Philipp Surkov)

Und wo wir schon bei Schwertmeistern sind – Miyamoto Musashi, der berühmteste Schwertmeister Japans schrieb in seinem Buch der Fünf Ringe folgendes:

„Während die Spitzen Deiner Zehen eher fließend und beweglich bleiben, tritt fest mit den Fersen auf. Ob Du Dich schnell oder langsam bewegst, mit großen oder kleinen Schritten, Deine Füße müssen sich immer so bewegen wie beim normalen Gehen.“ (Musashi: 55)

Und wer wusste nicht besser als diese Herren? Jeder Kampf konnte für sie den Tod bedeuten und sie mussten effektiv und effizient sein. Wer es nicht war, schied aufgrund der natürlichen Selektion aus und konnte somit sein Wissen nicht weiter geben.

Während die Festigkeit des Auftretens situationsabhängig ist, ist eins sicher: Die Ferse es ist (Grüße von Yoda).

Und das gilt sowohl für die zahlreichen Kampfkünste wie z.B. Karate oder Xingyiquan, aber auch für den Alltag. Wie schon oft gesagt, sollte es da gar keinen Unterschied geben, denn letztendlich geht es um den menschlichen Körper. Dieser sollte in jeder Situation und bei jeder Tätigkeit natürlich bewegt werden.

Woher kommt der Irrtum im Karate?

Mögliche Quellen für die Fehlannahme, der Fuß müsste auf dem Ballen in halbkreisen gleiten und sich unnatürlich verhalten, könnten z.B. Masatoshi Nakayamas Bücher sein. In Karate perfekt 2 heißt es im Kapitel über die Dynamik der Bewegung und Richtungsänderung:

„Der Fuß des vorrückenden hinteren Beines (Do-kyaku) gleitet weich über den Boden.“ (Nakayama (1980): 52)

In Dynamic Karate schreibt er in Bezug auf das Vorgehen in Zenkutsu Dachi:

„Gleite mir dem rechten Fuß vor und nimm Zenkutsu-dachi rechts ein. Achte darauf, dass dein Fuß beim Vorgleiten leicht den Boden berührt. Denke dir dabei, dass man zwischen Fußsohle und Boden gerade noch ein Blatt Papier schieben könnte.“ (Nakayama (2011): 44)

Beide Beispiele beschreiben das Gleiche und beides wäre nicht möglich, wenn man mit der Ferse auftreten wollte.

Ein anderes Beispiel wird indirekt in dem berühmten Klassiker von C.W. Nicol Moving Zen gebracht, in dem der Autor seine Erfahrung mit dem japanischen Kimono, das ihm seine Schwiegermutter geschenkt hatte, und der Begegnung mit dem Straßendreck schildert:

„[Mein Freund] bemerkte […], daß die Rückseite meines hakama mit Schlamm verspritzt war. ‚Schau her, was du gemacht hast! Das kommt nur, weil du nicht aus den Hüften heraus gehst, etwa so!‘ Er demonstrierte mir das gleitende Gehen, das so anders ist als das ruckartige Stolzieren der Nichtasiaten. Bei meinem Gang hatten die Absätze meiner ‚zori‚ den Straßendreck hinter mir hochgespritzt.“ (Nicol: 185)

Ich muss sagen, dass C.W. Nicols Buch sich echt schön lesen lässt und mich in meiner Anfängerzeit begeisterte. Ich sehne mich heute noch nach der Begeisterung, die ich damals verspürte, als ich als frisch gebackener Grüngurt das Buch in der U-Bahn bei meinem Besuch in St. Petersburg las, nur um später alleine die Heian-Kata auf einem Spielplatz umgeben von 12 Stockwerke hohen Häusern zu üben. Allerdings muss man hier Romantik von Realismus trennen und die Dinge so betrachten wie sie sind:

  • Klassische japanische Geta aus dem 20. Jhd. Die hohe Fußsohle sollte vor dem Schlamm schützen, der den Boden bedeckte. Man beachte, dass die Konstruktion der Sohle den Fersengang begünstigt.

    Wir leben nicht in Japan und ihre Kultur und ihre Eigenarten unterscheiden sich sehr stark von unseren.

  • Wir tragen weder Zori, noch Geta.
  • Unsere Straßen sind asphaltiert, anders als zur damaligen Zeit in Japan, als sie noch unbefestigt und von Schlamm bedeckt waren. Und unsere Schuhsohlen bestehen aus Gummi, nicht etwa aus Stroh oder Holz.
  • Wir „stolzieren“ nicht notwendigerweise ruckartig, wenn wir uns nicht gerade blöd anstellen. An dieser Stelle vermute ich, dass der Autor sich etwas zu sehr mit seiner „Adoptiv-Kultur“ identifizierte, um seine Ursprüngliche nüchtern betrachten zu können.

Diese drei Werke zählen, wie gesagt, zu  den Klassikern, insbesondere in der Welt des Shotokan-Karate. Das heißt, dass sie heute noch eher gelesen werden, als modernere, aber wissenschaftlich fundierte Werke von solchen Autoren wie z.B. Andreas Quast, Heiko Bittmann und Henning Wittwer. Das führt zu allen möglichen Fehlinterpretationen, Fehlvorstellungen und voreiligen Rückschlüssen. Wenn man aber beginnt die bestehende Norm ernsthaft zu hinterfragen, kann oftmals keiner eine wirklich seriöse Antwort geben. Oder hast du jemals eine plausible und wissenschaftlich fundierte Erklärung für das ausnahmslose Gleiten auf dem Ballen im Karate gehört?

Interessanterweise sind ähnliche Fehlannahmen auch in anderen Karatestilen wie z.B. im Kyokushin anzutreffen. Da ich mich jedoch nur literarisch damit beschäftigt habe, kann ich keine ausführliche Antwort dazu geben. Ich nehme allerdings an, dass die Quellen der Missverständnisse dort die gleichen sind wie im Shotokan.

Außerdem fand ich in keinem klassischen Werk, das ich besitze, eine Aufforderung dazu, dass man auf dem Fußballen nach vorne gleiten soll. Weder Gichin Funakoshi, noch Choki Motobu, die Mabunis oder Shoshin Nagamine (etc.) schrieben darüber. Es heißt immer nur, dass man einen Schritt nach vorne macht, aber nicht wie. Scheinbar wurde das früher nicht so eng gesehen, da diese alten Meister (einige Beispiele hier und hier) womöglich eher der Natürlichkeit des alltäglichen Ganges folgten, als die modernen Vertreter ihrer Stilrichtungen.

Fazit

Sowohl im Alltag als auch in den Kampfkünsten ist der entspannte Fersengang bei sämtlichen ununterbrochenen Vorwärtsschritten die bessere Wahl, sofern man nicht läuft oder andere Sprungvarianten nach vorne ausführt. Das Auftreten auf den Ballen ist besser beim Auffangen der Wucht der Körpermasse nach einem Sprung, bei seitlichen Schritten, bei Schritten nach hinten und generell sämtlichen Bewegungen, in den man sich bewusst beim Vorschreiten abbremsen möchte. Artikel, die versuchen das Gegenteil zu beweisen, sind überwiegend unwissenschaftlich und die Argumente sind leicht auseinander zu nehmen.

Die Prinzipien der natürlichen Bewegung sollten auch in den Kampfkünsten geachtet werden. Das bezeugten berühmte Schwertmeister, für die die Effizienz der Bewegung über Leben und Tod entscheiden konnte. Sie betonten die Entspannung und den Fersengang. Hingegen fand ich keine einzige Textstelle in den Schriften alter Karatemeister und Stilbegründer, in den der Ballengang, wie er heute in nahezu jedem Karatedojo praktiziert wird, erwähnt wird. Die ersten Erwähnungen tauchen scheinbar erst nach der Geburt der JKA und des Wettkampforientierten „Karate“ auf. Die seriöseren Kampfkünstler sollten wissen, dass Schriften von solchen Autoren wie Masatoshi Nakayama und Hidetaka Nishiyama im besten Fall als historische Dokumente und Gegenbeispiele verwendet werden sollten, da sie mit ihrer Bewegungslehre der Natürlichkeit entgegen strebten.

Mit Autoren wie Akira Hino, die sich nicht speziell auf eine Kampfkunst beschränken, sondern auch Sportler und Tänzer unterrichten, ist man besser aufgehoben. Andere Beispiele für gute Bewegungslehre wären Ido Portal und Aaron Alexander. Aber die habe ich sowieso schon oft erwähnt. Zu guter Letzt sollte man, bei all diesen tollen Büchern, Artikeln, Videos und Podcasts, nicht vergessen, dass die eigene Praxis und die damit verbundenen Fehler die besten Lehrer sind. Nur sollte man dabei aufpassen, dass man Fehler nicht zu lange macht und so der Gesundheit irreparablen Schaden zuführt. Ansonsten ist man auf der sicheren Seite 😉

Was der alltäglichen Bewegung zu sehr widerstrebt und sich unnatürlich anfühlt, ist es wahrscheinlich auch und sollte so nicht weiter ausgeführt werden.

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7 Kommentare, sei der nächste!

  1. … mmmhhh, vielleicht solltest Du Deinen Fokus bei der Betrachtung etwas ausweiten. Stand und Gang auf dem vorderen Teil des Fußes oder den Gleitschritt findet man in vielen Budo Disziplinen (Kendo, Iaido). Aber auch im Kampfsport, z. B. im Thaiboxen wird im Vorwärtsgang der Ballen zuerst aufgesetzt. Sogar im Boxen, wenn es schnell gehen soll, „tippelt“ man auf dem Vorderfuß herum. Was mich aber besonders irritiert, Karate: Im tiefen Stand im Zenkutsu Dachi einen Schritt nach vorne zu gehen und dabei mit der Ferse aufsetzen, führt zu einem Schlag ins Knie. Außerdem ist es wenig ökonomisch, der Fuß hat ja schon die richtige Haltung, warum also verändern? Die Vorwärtsbewegung im Kihon, speziell Shotokan, wo man ja versucht tief zu stehen, ist keine natürliche Gangart. Flexibilität, daran könnte man arbeiten – natürlich bedeutet m. E. im Kontext, abhängig von Situation und Rahmenbedingungen eine „passende“ Bewegung auszuführen. Also manchmal den Ballen und manchmal die Ferse.

    1. Dein Kommentar widerspricht keinem im Text genannten Punkt. Alle diese Argumente werden im Text behandelt.

      Das Auftreten im Thaiboxen dient einer schnellen Abstoß-Reaktion – entweder zum Angreifen, für die Deckung oder für den Rückzug. Die Kampfdistanz ist viel zu gering, um mehrere aufeinander folgende Schritte nach vorne zu machen, also ist auch ein Auftreten auf der Ferse unnötig.

      Ein Schritt nach vorne im tiefen Zenkutsu Dachi ähnelt einem Fall, der abgefangen werden sollte. Das ist fast schon ein Sprung und sollte keineswegs mit der Ferse abgefangen werden. Auch das steht im Artikel. Eine andere Frage ist, inwiefern der „natürlich“ im Shotokan eingenommene tiefe Stand tatsächlich natürlich ist. Auf den alten Fotos von Funakoshi Gichin sieht man so etwas nicht und auch im Tai Chi rät man eher von Positionen, in den das Knie über den Zehen hinausragt, ab. Du schreibst selber, dass die Vorwärtsbewegung im Shotokan nicht natürlich ist. Der Meinung bin ich auch. Was mit dieser Bewegung einher geht, ist ein Gleiten auf dem Ballen – weil es ja nicht anders geht, da der Stand zu tief ist. Darüber möchte ich einen weiteren Artikel schreiben und zusammen sollen diese Artikel ein Ganzes ergeben.

      Dieser Artikel wendet sich an den Alltagsmenschen, sowie an Karateka, weil das der Bereich ist, mit dem ich mich besonders gut auskenne. Vielleicht sollte ich deiner Meinung nach den Fokus etwas ausweiten, aber ich denke nicht. Prinzipien der Bewegung sind allgemein. Was im Karate gelten kann, kann auch im Kendo gelten – abhängig ist es nur von der Absicht und der Situation. Nicht umsonst sagt Stephan Yamamoto, dass man Karate erst wirklich lernen kann, wann man beginnt mit dem Schwert zu üben. Das bedeutet, dass die aus der Arbeit mit den Waffen gewonnenen Fertigkeiten mit dem Einsatz der Prinzipien auch ins Karate übernommen werden können, dürfen und sollten. Du hast dies ja selber im letzten Satz erkannt. Zeige mir bitte, wo im Artikel dem Gedanken, dass beides möglich und situationsabhängig ist, widersprochen wird und ich korrigiere die Formulierung an dieser Stelle.

  2. Hallo Philipp,

    Danke für deine Offenheit und eine schöne Übersicht sowie eine gute Zusammenfassung zum Thema “richtiges Auftreten mit Füssen”. Du hast mich motiviert weiter und tiefer in diese Thematik einzusteigen.
    Wenn ich eine natürliche Vorwärtsbewegung, angefangen mit einem aufrechten menschlichen Gang bis zum Sprint betrachte, würde ich folgenden Ansatz vorschlagen…
    Wir unterteilen zunächst alle Bewegungsabläufe in drei Phasen:
    1. beide Füße haben Kontakt mit dem Boden
    2. nur ein Fuß hat kontakt mit dem Boden und der andere Fuß ist in der Luft
    3. beide Füße befinden sich in der Luft.

    Jetzt wird interessant zu schauen, welche Phasen bei jeweiligen Vorwärtsbewegung nun vorhanden sind und im welchen Verhältnis (Zeitdauer) sie zueinanderstehen.
    Wenn man ganz langsam barfuß geht, ist die dritte Phase gar nicht vorhanden und die erste Phase ist gut ausgeprägt (große Überlappung) wobei die zweite Phase möglichst lange dauern sollte, so dass es möglich wird das Fersenbein sogar kurz nachdem Achillessehnenansatz auf dem Boden abzusetzen und komplett abzurollen (weiterhin bis zur Fußspitze). Ergo – sicherer Schongang mit minimalem Krafteinsatz.

    Im Gegenteil dazu ist bei reinem Sprint in einer geraden Bahn die erste Phase gar nicht vorhanden und die dritte Phase gut ausgeprägt, wobei die zweite Phase möglichst schnell erfolgen sollte. Dabei berührt die Ferse kaum den Boden und der Kontakt erfolgt fast ausschließlich über den Vorderfuß. Ergo – schnellste Vorwärtsbewegung mit maximallem Krafteinsatz.
    Richtig ausgeführt, sind beide Bewegungsarten natürlich und gesund… allerdings mit Vorteilen und Nachteilen behaftet.

    VG, Igor

    1. Hallo Igor und danke für deinen Kommentar! Du fasst die Mechanik des Auftretens beim Geh-/Laufprozess sehr gut zusammen. Ich freue mich über einen Kommentar, der der Bewegungswissenschaft mehr Beachtung schenkt, als der Gewohnheit und der wissenschaftlich nicht gestützten Überzeugung.

  3. Hallo Philipp

    was soll ich schreiben, wie immer ein sehr guter Artikel.
    Nicht irgendwo abgeschrieben sondern selbst überlegt, nachgeforscht…
    ausprobiert.

    Schade, dass nicht andere Autoren auch Deinen Weg gehen und sich selbst mit einem Thema vertraut machen bevor sie etwas veröffentlichen.

    Gruß Gerhard

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