Meine erste Begegnung mit Koryu Uchinadi (Tag 2)

Das ist der zweite Teil des KU-Lehrgangsberichts. Den ersten Teil findest du hier.

Achim, der Lehrgangsveranstalter und Leiter des Dojos in Fritzlar war so freundlich mich bei ihm zu Hause im gemütlichen Heimdojo übernachten zu lassen. Die Nacht war ruhig und erholsam, dennoch war ich am nächsten Morgen nicht munter genug. Viel zu sehr hat mich der Vortag fertig gemacht. Würfe, Hebel, wieder Würfe, Bodenkampf, bei dem ich eine Art Wischlappen sein sollte (und gelegentlich durfte auch ich mal wischen) und wieder Würfe. Mein Schädel brummte noch, doch ich war schon gespannt auf den bevorstehenden Tag, denn das Thema war „Aragaki Sochin“, also die Kata Sochin nach der Überlieferung von Aragaki Seisho. Diese Kata ist Teil des Kerncurriculums von Koryu Uchinadi und wird so gelehrt, wie Patrick McCarthy sie von Richard Kim lernte (auch hier bitte ich die KU-Leute darum mich zu korrigieren falls ich irgendetwas durcheinander bringe).

Nach dem Frühstück machten wir uns also auf in die Halle, die bereits beim Betreten heiß war. Überall sah man die am Vortag zum Trocknen aufgehängten Gis, was zwar nachvollziehbar war, aber wenig brachte, da sie schon bald wieder durchnässt sein würden. Schuld daran war nicht nur die Hitze, sondern auch das intensive Training und obwohl es am Sonntag kein Tabata gab und auch kein Aufwärmtraining wie am Vortag, war es anstrengend genug, vor allem für einen Ungeübten wie mich. Wenn ich schlagen, treten und in verschiedene Richtungen ausweichen soll, dann ist das kein Problem, das kann ich lange machen. Ich fange aber schon beim Gedanken an Würfe und Fallschule an zu schwitzen und hier musste ich das wieder den ganzen Tag machen.

_DSC1241

Was aber war hier noch besonders, außer der Intensität? Alles! Normalerweise lernen viele eine Kata etwa so: Erst der Ablauf, dann einige Gedanken zu der Anwendung, wobei man sich nur bestimmte, scheinbar offensichtliche Anwendungen heraus sucht und im besten Fall werden diese dann gelegentlich mit einem Partner geübt. Hier ging es genau anders herum. Zuerst lernten wir einige Prinzipien der Arbeit mit dem menschlichen Körper anhand von einigen Griffen, Befreiungen mit Kontern, dann wurde uns erklärt, dass diese drei soeben geübten Techniken die ersten drei Bewegungen in der Kata darstellten. Und so ging es weiter, Technik für Technik wur

de jede Bewegung erklärt und in den sich immer mehr erweiternden Partnerdrill hinzugefügt, bis wir die ganze Kata solo und als Drill mit Partner laufen konnten. Etwas ähnliches hat Stephan Yamamoto auf dem letzten Naihanchi-Lehrgang in Juni gemacht und auch Iain Abernethy analysierte mit uns auf diese Weise die Pinan-Kata in Februar (wenn auch ihre Interpretationsstrategien sich stark voneinander unterschieden). Die Aragaki Sochin fand ich aber etwas intensiver als Naihanchi und Pinan.

Jetzt wo der Lehrgang vorbei ist, habe ich kaum Möglichkeit bei irgendjemandem die Aragaki Sochin in der KU-Ausführung zu üben, deshalb habe ich mir die iKata Version von der IRKRS-Webseite gekauft und muss sagen, dass die Qualität dieses Videos wirklich gut ist. Die Kata wird bis ins kleinste Detail genau und aus verschiedenen Winkeln immer und immer wieder gezeigt. In Verbindung mit Olafs Anleitungen und der Übungen vom Lehrgang, die ich in mein Training übernehmen werde, bin ich wohl auf der sicheren Seite, was das Kata-Studium (was man eigentlich Bunkai nennt) angeht.

Übrigens wurde ich weder gebeten „Werbung“ für die Seite und die Videos zu machen, noch stehe ich in irgendeiner Verbindung zu Olaf Krey, Koryu Uchinadi, oder der IRKRS. Ich finde das, was sie bieten, einfach nur gut, deshalb schreibe ich das hier.

Ich war überrascht, dass es so viele KU-Leute in Deutschland gibt (etwa 12 Dojos), denn im Internet hört man nichts von ihnen. Keine Streitereien um „Stilreinkeit“, Hierarchie, Politik und Persönliches – nicht desgleichen. Zumindest bekomme ich davon nichts mit. Es scheint so, als würden sie in Ruhe ihr Ding machen und niemanden was beweisen wollen. Wer lernen möchte, kann dann ins Training kommen. Natürlich treffen solche Aussagen nicht auf alle Leute und Schulen zu, denn Menschen sind nicht perfekt, aber die Leute, die ich auf dem Lehrgang kennen lernen durfte, waren schwer in Ordnung. Das habe ich auch in anderen guten Schulen aus anderen Stilen so erlebt und halte das für ein Qualitätsmerkmal.

Fazit:

Bis auf die wenigen, Anfangs erwähnten Kleinigkeiten beim Aufwärmtraining, Technikspezifikationen und die Lehrgangsintensität, die für einen totalen Anfänger etwas zu hoch sein könnte, fand ich meinen ersten Lehrgang bei Olaf Krey vom Koryu Uchinadi sehr gelungen. Ich werde ganz bestimmt noch zu weiteren KU-Lehrgängen fahren und kann jedem empfehlen so einen mindestens ein Mal besucht zu haben. Die Art und Weise wie die KU-Leute trainieren ist sehr praktisch, pragmatisch und locker und ihre Herangehensweise an das Kata-Bunkai stelle ich mir so genau richtig vor, womit sie aber nicht alleine da stehen.

Wenn jemand einen guten Stil sucht, oder schon länger Karate macht, aber mit seiner Richtung nicht zufrieden ist und wechseln möchte, dem kann ich ihm Koryu Uchinadi wirklich ans Herz legen. Werde ich wechseln? Nein. Ich bin mit dem Fundament, das ich mir aus dem bisherigen Mix aus Einflüssen gebildet habe, und mit meiner jetzigen Richtung sehr zufrieden und habe nicht das Gefühlt, dass ich vieles ändern müsste. Ich baue lediglich auf dem Fundament auf und erweitere es. Natürlich muss ich noch Vieles ergänzen und dafür werde ich mit Sicherheit einige Inhalte aus KU in mein Training übernehmen, aber die Prinzipien meines Trainings bleiben die Selben.

Mein besonderer Dank gilt Achim und seiner Familie für die herzliche Gastfreundschaft, sowie allen meinen Partnern (Tim, Andrea, Alex, Peter und all diejenigen, deren Namen ich mir nicht merken konnte) für ein tolles Training!

Krey_in_Fritzlar_2016 - Gruppenphoto_2_s

Danke, dass du den Artikel zu Ende gelesen hast!

Wenn du noch mehr Zusatz- und Hintergrundinfo möchtest, dann trage dich hier mit deiner E-Mail ein.

Deine Daten sind bei mir sicher und werden nicht an Dritte weitergegeben. Niemand mag Spam!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.