Was unterscheidet einen Kampfkünstler von anderen Menschen?

Was macht einen Kampfkünstler eigentlich aus? Im Internet gibt es ja unzählige Definitionen, Memes und Poster (für nur 19,99€!) mit Zitaten von Gichin Funakoshi, Mas Oyama, Miyamoto Musashi, oder aus dem Hagakure. Doch ich sehe dahinter nur den Drang nach Identifizierung, einen Drang, den ich selber sehr oft verspürt hatte und es eigentlich immer noch tue. Aber ich habe einen anderen Weg gewählt, den „Weg eines Kampfkünstlers“.

Der besondere Weg?

Abb. 1

Doch was unterscheidet diesen Weg von dem eines „gewöhnlichen“ Menschen? Was ist, abgesehen von den kampfspezifischen Fertigkeiten, auf dem Weg des Kampfkünstlers anders, als auf dem eines Handwerkers, eines Musikers oder einer Mutter?

Ich denke, dass es da keine Unterschiede gibt. Zumindest sollte es sie nicht geben. Man muss nicht erst mit den Kampfkünsten beginnen, um das gepriesene Verantwortungsgefühl, oder ein stärkeres Selbstbewusstsein zu entwickeln, um Achtung zuerst von sich selbst und dann von den anderen zu haben (es geht nur in dieser Reihenfolge)… Auch beinhalten die Kampfkünste nichts bestimmtes, kein Geheimnis, das diese Fähigkeiten verbessern könnte. Alles, was es in den Kampfkünsten gibt, gibt es auch in der restlichen Welt, in allen Berufszweigen.

Man kann jede Kampfkunst genauso verblendet ausüben, wie man auch sonst durch den Alltag läuft.

Man muss also nicht erst irgendeine Kampfkunst machen, um seinen Körper und seinen emotionalen Zustand spüren zu können und sich in brenzligen Situationen zu beherrschen. Das sollte jeder Mensch können – in einer perfekten Welt…

Missbrauch der Kampfkunst

Aber wir leben nicht in einer perfekten Welt und mal unter uns: Wie viele Kampfkünstler kennst du, die all das können? Zu oft sind Kampfkünstler überheblich, egozentrisch, halten sich für etwas besseres und nutzen ihr Training nur um

  • „abzuschalten“, sich also durch Erschöpfung oder „Abhärtung“ von ihren Emotionen abzulenken und somit abzustumpfen,
  • mit Gleichgesinnten zu sozialisieren („der Weizen danach“, kommt bekannt vor?)
  • und als Ventil für den unterdrückten Ärger zu nutzen.

An sich ist das Sozialisieren ja nichts Schlechtes, aber dafür muss man nicht Kampfkünste machen. Ebenso kann man auch im Fitnessstudio mit einer Kettlebell schwitzen und sich erschöpfen, wie es eins meiner Vorbilder, Joe Rogan, tut und propagiert (übrigens macht er das generell zur körperlichen Fitness und nicht um abzuschalten). Die Kampfkünste sind jedoch etwas anderes. Du könntest natürlich auch eine Stromleitung verlegen und alle fünf Minuten eine Liegestützeinheit einfügen, aber dann würdest du deinen Job nicht sehr gut machen.

Und dann regen sich die o.g. Menschen besonders laut auf, wenn man ihre „Werte“, bzw. ihre Ersatzreligion anzweifelt, und werfen Begriffe wie Respekt in den Raum und argumentieren ad hominem (d.h. sie beginnen den Gegenüber anhand seiner Persönlichkeit abzuwerten, anstatt angemessene Gegenargumente im angemessenen Ton zu bringen). All das habe ich bereits persönlich und virtuell erlebt und, zugegeben, auch selber ausgeübt.

Diejenigen, die ihren Weg am lautesten deklarieren, sind von diesem am weitesten entfernt.

Ein wahrlich egoistischer Mensch, der sich einredet nicht egoistisch zu sein und seine wahren Absichten durch scheinbar altruistische Handlungen maskiert (und damit in erster Linie sich selbst belügt) wird am meisten durch Menschen irritiert, die scheinbar egoistisch handeln und wirft ihnen sehr ausgesprochen Egoismus vor („Du denkst nur an dich, denn du schenkst mir gar keine Zeit!“). Das ist ein typischer Mechanismus des Egos, der versucht uns von der Ego-zerstörerischen Wahrheit zu bewahren, nämlich dass wir nicht so perfekt sind, wie wir es gerne wären.

Genauso wird ein Kampfkünstler, der selber keine Achtung vor anderen Ansichten hat, seinem Diskussionspartner vorwirft „respektlos“ zu sein und ihm im gleichen Satz persönlich angreift und vielleicht sogar seine Eltern beleidigt – auffällig dabei ist, dass er es dann oft selber nicht merkt, selbst wenn man ihn direkt darauf hinweist. Dieser Mangel an Selbstreflexion ist in gleichem Maße in der durchschnittlichen Bevölkerung, wie auch unter Kampfkünstlern zu beobachten.

Du siehst also, dass Kampfkünstler die gleichen Menschen sind, wie alle anderen auch. Viele von ihnen sind nicht höflicher, nicht weniger fanatisch, nicht geduldiger als andere, aber viele von ihnen lernen ihre Schwächen durch eine teils fiktionale Ideologie (z.B. das romantische Samurai-Japan) zu maskieren, anstatt sie zu akzeptieren, wie ein reifer und gesunder Mensch es tun würde. Wir alle sind Kinder unserer Zeit und Gesellschaft und uns wurden oft die gleichen Verhaltensmuster anerzogen, ganz egal welchen Beruf wir ausüben, oder welche Hobbys wir haben. Es liegt an uns diese Mechanismen zu verstehen, uns selbst als das zu sehen, was wir sind, uns zu akzeptieren, weiter zu machen und zu versuchen das Beste aus dem Leben für uns und für andere zu machen.

Drei mögliche Lösungsansätze

Als Gegensatz zu den drei o.g. Punkten nenne ich jetzt Möglichkeiten die eigene Kampfkunst (das Handwerk, das Hobby, die Hausarbeit, sogar die Untätigkeit…) so zu nutzen, dass man dadurch wahre Charakterentwicklung erfährt. Falls du dich übrigens fragst, woher ich meine das alles zu wissen: Ich war ungefähr bis zu meinem 24. Lebensjahr (was noch nicht sehr lange her ist) ein wenig reflexiver Mensch, der mehr reagierte, als Verantwortung zu übernehmen; mehr urteilte, als zu verstehen und zu akzeptieren. Nach und nach sind mir diese Verhaltensweisen aufgefallen, da mein Leben immer unangenehmer wurde. Meine Depressionen haben mich auf Dinge hingewiesen, den ich nicht genug Beachtung schenkte und so machte ich mich auf den Weg mich zu verstehen und mein Verhalten zu ändern. Ich bin eigentlich noch mitten auf diesem Weg, voll im Gange und wiederhole heute noch manchmal Fehler, die ich eigentlich schon vor Jahren verinnerlicht haben müsste. Aber so ist es nun mal, man wird vergesslich und es gibt Momente, in dem die Achtsamkeit schwächer ist und das Ego stärker und das muss man auch akzeptieren. Nichtsdestotrotz hat sich einiges in meinem Leben zum Besseren verändert, ich fühle mich freier, ruhiger, ausgeglichener, verständnisvoller und das ganz ohne meine „Dämonen unterdrücken“ zu müssen. Ich freue mich darüber, dass diese Veränderungen über einen derart kurzen Zeitraum stattgefunden haben und deshalb teile ich das Wissen, das ich aus guten Büchern sowie aus eigener Erfahrung und Beobachtung sammeln konnte. Nun aber zu den Lösungsansätzen.

Achtsamkeit

Sei achtsam mit deinem Training. Ich weiß, dass es ganze Stilrichtungen gibt, in den die Abhärtung der Knochen an der Tagesordnung ist und ich selber hatte es auch schon praktiziert. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es schädlich ist. Und ich meine nicht mal den Schaden an den Knochen und Gelenken. Darum, ob da etwas dran ist oder nicht, scheint sich die Wissenschaft immer noch uneinig zu sein. Ich meine die geistige Abstumpfung, die damit einher geht. Alles was du körperlich tust, wird auch von deinem Geist (deinem Unterbewusstsein) gespeichert. Wenn du also die körperliche Abhärtung und Desensibilisierung von Nervenenden zum Mittel gegen potentielle Gefahren machst, dann wirst du möglicherweise auch unbewusst das Denken übernehmen, dass man sich auch geistig abstumpfen sollte, um Gefahren zu entgehen. Und man beginnt damit weniger auf seine innere Stimme und seine Emotionen zu hören. Alkoholismus ist auch nichts anderes. Das Ganze ist natürlich nur meine Meinung und ich könnte falsch liegen, aber ich glaube da wirklich dran.

Stattdessen empfehle ich eine meditative Herangehensweise an das Training. Nein, ich meine nicht, dass du ab jetzt nur noch Qi Gong üben und dich langsam bewegen sollst (wobei das hin und wieder sehr gut ist). Es gibt auch sehr dynamische Formen der Meditation. Der Kern von Meditation ist Achtsamkeit. Achtsamkeit für den Körper, die Bewegungen, die Gefühle, die Gedanken, die Atmung, für alles, was passiert. Fühle deinen Körper, wenn du langsame und schnelle Bewegungen machst. Höre auf ihn. Spürst du bei irgendeiner Bewegung Unbehagen? Warum ist das so? Gehe dem nach. Vielleicht erfährst du etwas über deinen Körper und passt die Bewegung an, sodass es dann besser für dich ist, anstatt zu versuchen einen eckigen Pfahl in ein rundes Loch zu stopfen und dir damit zu schaden. Fühlst du einen unangenehmen Schmerz beim Dehnen und danach? Dann mache es nicht! No pain no gain ist bullshit, zumindest in Bezug auf körperliches Training. Ein veralteter Gedanke aus einer kranken Zeit, geprägt von kranken Menschen.

Es gibt viele Möglichkeiten die Achtsamkeit zu trainieren. Hier zeige ich dir eine ganz einfache Übung.

Gesundes soziales Verhalten

Sozialisierung ist eine gute Sache. Menschen sind soziale Wesen und während jeder von uns an sich unabhängig und selbstbewusst (glücklich mit sich selbst) sein sollte, brauchen wir andere Menschen: Als Partner, als Spiegel unserer Selbst und auch einfach um Spaß miteinander zu haben. Aber Sozialisierung kann auch ungesunde Formen annehmen. „Wir gegen Sie“ ist eine der am meisten verbreiteten davon.

Im Internet, besonders häufig in Kampfkunst-Gruppen auf Facebook, kursiert ein Bild (siehe Abb. 1), das sehr gut eine selbstverliebte und egozentrische Einstellung zum Weg des Kampfkünstlers darstellt, diese ungesunde und unnötige Spaltung, das „ich bin besser als die da“ Denken. Und selbst innerhalb der einzelnen Kampfkünste gibt es solche Spaltungen, z.B. zwischen „Traditionalisten“ und „Sportlern“. Dass ich nicht lache! Es gibt nur Menschen, die für sich denken können und welche, die blind folgen, wobei die Letzteren sich jederzeit den Ersteren anschließen könnten und insofern kein bisschen schlechter sind!

„Teile und Herrsche“ hieß es schon bei den Römern und die heutige Welt ist, trotz des Internets, immer noch unglaublich geteilt und ungleich. Und ja, wo wir schon beim Internet sind – serious business! Wenn jemand im Internet etwas sagt, was mit der eigenen Überzeugung nicht übereinstimmt, fahren viele auf 180 und verbringen Stunden damit dem anderen das Gegenteil zu beweisen. Ich mache das nicht mehr. Ich schreibe ein, zwei Posts zum Thema und dann bin ich entweder raus, oder ich schreibe einen Artikel dazu und wer es lesen möchte, wird das tun. Jeder hat die Wahl, ich zwinge es niemandem auf und der Stress bleibt mir erspart.

Und warum regt man sich überhaupt auf? Aaah, die unbewusste Angst davor, dass man nicht Recht haben könnte; dass Gegenargumente die persönliche Überidentifizierung mit etwas gefährden könnten. Klar, neben dem Tod die größte Angst des ungesunden Egos, da fühlt man sich gleich wie ein in die Ecke gedrängtes Tier, das bereit ist sich mit den Zähnen und Krallen zu verteidigen. Am Ende sind wir immer noch Tiere. Und das ist auch nichts schlechtes. Der Unterschied zu den meisten Tieren ist aber, dass wir uns unserer Selbst bewusst sein können. Das heißt, dass man, wie ich schon im ersten Punkt sagte, auf seine innere Stimme, seine Emotionen hören sollte. Dann kann man sich auch die Frage beantworten, warum man sich durch die ein oder andere Aussage irritiert fühlt, oder warum man zu einer Gruppe gehören möchte, aber nicht zur anderen („meine Hautfarbe“, „mein Land“, „mein Stil“, „mein Dojo“, „meine Partei“ usw.). Wer achtsam ist, behält seine tierischen Instinkte zwar (zum Glück!), wird aber nicht mehr dadurch kontrolliert. Und so haben wir dann die Wahl über Hass (Abstumpfung, Opfermentalität, Verwirrung…) oder Liebe (Achtsamkeit, Verantwortungsbewusstsein,  Klarheit).
Ist dir aufgefallen, dass diese Beschreibung der Verhaltensweisen auf alle Menschen zutrifft? Das meine ich damit, wenn ich sage, dass es keinen Unterschied zwischen einem Kampfkünstler und einem Handwerker geben sollte!

Der Unterschied ist eingebildet, es ist das ungesunde Ego, das sich überidentifiziert und aufwertet, das versucht sich von anderen abzuheben.

Das ist das Gegenteil von Liebe, Achtsamkeit, Verantwortung und Klarheit.
Wahre Entwicklung findet dann statt, wen du die Grenzen auflöst und erkennst, dass kein Mensch böse geboren wird und wir alle, ALLE im Prinzip nur umarmt und verstanden werden möchten. Das versuchen wir auf Umwegen zu erreichen und oft nur so, wie wir es in der Kindheit (unbewusst) erlernt haben, was oft falsch ist. Wenn du erkennst, dass alle Menschen sich irren können, wirst du dir auch deine eigenen Fehler besser verzeihen können, wirst du keine Überidentifizierung mehr brauchen.

Akzeptanz von Emotionen

Auch dieser Punkt hängt sehr stark mit dem ersten Punkt zusammen, also mit der Achtsamkeit und Bewusstwerdung der eigenen Handlungen und Emotionen.
Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, in der niemand mehr wirklich erwachsen wird (einen Grund dafür habe ich hier aufgeführt). Unsere Eltern, unsere Großeltern, wir selbst werden geistig oft gar nicht erwachsen, weil bestimmte Phasen in der frühkindlichen Entwicklung entweder übersprungen wurden, oder falsch verliefen. Solche Menschen erziehen dann mit Weh und Ach die nächste Generation, dann die nächste usw. Fehler werden mit jeder Generation wiederholt und durch andere Fehler ergänzt. Ja, unsere Eltern sind meistens gar nicht so weise, wie wir als Kinder denken und es liegt in der Verantwortung eines jeden selbst die Fehler der Eltern im eigenen Verhalten zu korrigieren. Dazu gehört u.a. das schmerzhafte Thema der Selbstkritik, das ich gesondert in einem anderen Artikel angehen werde. Diese Selbstkritik – das von klein an anerzogene und absolut unsinnige Streben nach Perfektion – welches in der Welt der Kampfkünste ganz oft wiedergefunden werden kann, sind einige der Gründe, warum wir von der Gesellschaft als unerwünscht angesehene Teilaspekte der eigenen Persönlichkeit unterdrücken, was zu ebenso unerwünschten Emotionen wie Angst, Scham, Eifersucht, Wut, Trauer etc. führt, die wir dann ebenfalls unterdrücken.

Unbewusst versuchen wir dann diese Emotionen und ihre Symptome (psychisch, gesundheitlich, in Beziehungen…) durch Alkohol und andere Drogen, durch Sex, Essen, Ablenkung durch Beschäftigung etc. verstummen zu lassen. Eine bessere Herangehensweise ist die Suche nach einem Ventil, z.B. in Form einer erschöpfende sportliche Aktivität, bei der die Emotion ein wenig zum Vorschein kommt (bei Wut – Kampf; bei Angst – Extremsport usw.). Es ist zwar besser, aber nicht optimal, denn wenn man z.B. die seit Tagen aufgestaute Wut durch ein anstrengendes Training am Sandsack heraus lässt, fühlt man sich zwar anfangs besser, doch die Wut kommt schon nach wenigen Stunden/Tagen/Wochen wieder und so wird man abhängig von diesem Ventil. Das wird sich so lange wiederholen, bis man die Wurzeln der Wut (die aus o.g. Gründen meistens in der Kindheit liegen) entdeckt, versteht, seine ungeliebten Aspekte annimmt (falls das der Grund für die Wut ist, so wie in meinem Fall), verinnerlicht und sogar zu Stärken macht. Erst nach all der langen und harten Arbeit, die u.a. durch Achtsamkeit, Psychotherapie und weitere selbstreflexive Aktivitäten und Versuche sich selbst zu verstehen erreicht werden, hören diese Emotionen auf sich unbewusst aufzustauen und dann braucht man auch kein Ventil mehr.

Fazit

Der Charakter wird nicht automatisch durch jahrelanges Training besser und auch nicht, wenn man einfach nur alt wird und „Lebenserfahrung“ sammelt. Das Wiederholen der gleichen Fehler, ohne etwas daraus zu lernen, hat nichts mit Lebenserfahrung zu tun. Aber auch dazu werde ich einen gesonderten Artikel schreiben. Wahre Freude, Akzeptanz, Liebe kommen dadurch, dass man an sich arbeitet, liebevoll, aber auch ehrlich und nicht ablenkend, nicht abstumpfend, nicht indem man sich der nächstbesten Gruppe anschließt, nur um sich wohler zu fühlen. Und wie schon gesagt, betrifft das alle Menschen, unabhängig von dessen Herkunft, Überzeugung oder Berufsausbildung.

Gibt es also einen geistigen Unterschied zwischen einem Kampfkünstler und einem beliebigem anderen Menschen? Nicht unbedingt.

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5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hey Philipp,
    schöner Artikel. Ich bin ganz bei dir, wenn Du sagst, dass es keine Unterschiede zwischen Kampfkünstlern und gewöhnlichen Menschen gibt. Wie das schon klingt „gewöhnliche Menschen“. Wir alle sind einfach nur Menschen. Mit unseren Stärken, Schwächen und Egos.

    Mich würde zu einem bestimmten Thema noch deine Meinung interessieren. Dein Ansatz war ja nun eher beschreiben. Du hast die Situation analysiert und bist zu dem Schluss gekommen, es gibt eigentlich keine Unterschiede.
    Würdest Du unter einer normativen Betrachtung der Kampfkunst ihr ein größeres Potenzial zumessen, z.B. Richtung Selbstbewusstsein, Verantwortungsgefühl, Respekt, als anderen Berufen oder Lebenswegen?
    Bzw. wie müsste deine Meinung nach eine Kampfkunst aussehen, um nicht als Überidentifizierung zu gelten, sondern als wahrhaftig?

    LG Basty

    1. Hallo Basty,
      deine Frage habe ich eigentlich bereits im Artikel beantwortet. Es gibt nichts besonderes an einer Kampfkunst und kann es auch nicht geben. Die Charakterentwicklung findet parallel statt und muss von jedem selbst übernommen werden. Es darf nicht durch einen Lehrer oder ein Dogma durchgesetzt werden. Sämtliche Mythen darüber, dass eine Kampfkunst in irgendeiner Weise eher zur Charakterschulung beitragen könnte, als irgendein anderer Beruf, könnte daher rühren, dass früher überwiegend Personen aus einem höheren Stand praktizierten und diese durch ihre Bildung und ihre große Verantwortung an sich fortgeschrittener waren, als der Großteil des „einfachen Volkes“. Heute praktiziert jeder und diese Unterschiede gibt es schon lange nicht mehr.

      Viele Grüße,
      Philipp

      1. Hey Philipp,
        ich kann deinen Standpunkt nachvollziehen. Für mich würde ich ihn jedoch nicht vollständig vertreten wollen.

        „Es gibt nichts besonderes an einer Kampfkunst und kann es auch nicht geben. “

        Vielleicht kann eine Kampfkunst per se nicht besonders sein, könnte es aber nicht sein, dass die Menschen, die in ihr partizipieren besonders sind. Und die Kampfkunst einen „besonderen“ Link zwischen den Menschen ermöglicht, welcher so in vielen Berufen und Lebenswegen nicht vorkommt?
        Natürlich findet Charakterbildung parallel statt und natürlich auch im Menschen selbst und ebenso muss er dies wollen. Ich stelle mir hier jedoch vor, dass die Kampfkunst die Bühne für diese Entwicklung schafft. Die Möglichkeiten in der Kampfkunst sich zu entwickeln, sind immerhin enorm. Nehmen wir z.B. diesen Kommentar von Facebook.

        “ So kann man sich auch beim Abhärtungstraining an einen spirituellen Punkt begeben, an dem jeglicher Schmerz – unabhängig von eventuell beschädigten Nerven- oder Gewebebahnen – vergeht beziehungsweise gar nicht erst entsteht. Dies ist ähnlich dem meditativen Zustand in anderen Formen. Ebenso kommt es hierbei nämlich auf die Gedankenleere und -lenkung an.“

        Was hältst Du von der Idee?

        LG Basty

  2. Hallo Philipp,

    danke für Deine offene und ehrliche Worte.
    Es freut mich sehr, dass Du auf diesem Wege deine Erfahrungen und Erkenntnisse weitergibst.

    Als ich das letzte Teil über Emotionen (speziell Wut) gelesen habe, ist mir der Spruch von Aristoteles eingefallen:
    Jeder kann wütend werden, das ist einfach. Aber wütend auf den Richtigen zu sein, im richtigen Maß, zur richtigen Zeit, zum richtigen Zweck und auf die richtige Art, das ist schwer.

    Mir helfen jedenfalls Kampfkünste und gute Menschen meine Frustrationstoleranz zu stärken und meine Grenzen früher zu erkennen. Allerdings glaube ich, dass Wut auch gefiltert und in etwas positives umgewandelt werden kann.

    VG,
    Igor

    1. Hallo Igor,

      ein sehr schöner Kommentar, sehr sachlich – vielen Dank!
      Ich stimme dir zu. Auch ich musste eine ganz besondere Erfahrung mit Aggression (was du als „Wut“ beschreibst) machen und feststellen, dass Aggression nicht gleich schlecht ist, sondern die Energie auch sinnvoll genutzt werden kann, ohne jemandem zu schaden. 🙂
      Sehr schönes Zitat übrigens, kannte ich noch nicht!

      Beste Grüße,
      Philipp

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